Insights·

Wenn der Kunde eine KI ist: Plattformen für KI-Agenten bauen

Das Wichtigste in Kürze

  • KI-Agenten suchen, vergleichen und kaufen zunehmend im Auftrag von Menschen. Damit sie eine Plattform zuverlässig nutzen, braucht diese gut beschriebene Schnittstellen und strukturierte, aktuelle Angebotsdaten.
  • Offene Protokolle legen die gemeinsame Sprache fest: das Agentic Commerce Protocol (ACP) von OpenAI und Stripe, das Universal Commerce Protocol (UCP) von Google und das Agent Payments Protocol (AP2) für die Zahlung. Bei ACP und UCP bleibt der Händler der Verkäufer.
  • Preis und Verfügbarkeit müssen eindeutig und frisch sein. Laut Stripe genügt es in den meisten Fällen, Bestand und Preise für den Verkauf über Agenten alle 15 Minuten zu aktualisieren.
  • Vor dem Kauf entscheidet der Mensch. Die Protokolle sehen eigene Bestätigungsschritte vor, und eine gute Plattform gibt nur echte, verlinkbare Angebote weiter.

Stand: Oktober 2026

Eine Kundin bittet ihren KI-Assistenten um eine Regenjacke für eine Wanderwoche: wasserdicht, höchstens 150 €, lieferbar bis Freitag. Der Assistent durchsucht Kataloge, vergleicht Preise und Lieferzeiten und legt drei Vorschläge vor, die Kundin wählt einen aus und bestätigt den Kauf. Der erste Besucher Ihrer Plattform war in diesem Fall ein Programm. Dieser Ratgeber zeigt, was eine Plattform braucht, damit KI-Agenten sie zuverlässig nutzen, und welche offenen Standards es dafür gibt.

Was ein KI-Agent beim Einkaufen tut

Ein KI-Agent ist ein Assistent, der Aufgaben in mehreren Schritten selbst erledigt: Er sucht, vergleicht, fragt nach und bereitet Entscheidungen vor. Beim Einkaufen ist das schon verbreitet: Laut OpenAI beginnen immer mehr Menschen ihre Produktsuche in ChatGPT. Seit März 2026 zeigt ChatGPT Produkte nebeneinander mit Preis, Bewertungen und Funktionen.

Woher diese Angaben stammen, erklärt die OpenAI-Hilfe: ChatGPT berücksichtigt strukturierte Produktdaten aus erster Hand und von Drittanbietern, etwa Preis und Produktbeschreibung. Wie Agenten klassische Websites lesen und bedienen, beschreibt unser Beitrag Website für KI-Agenten. Hier geht es um Plattformen und Shops, deren Daten und Funktionen Agenten direkt nutzen.

Drei offene Protokolle für den Handel mit Agenten

Offene Protokolle legen gemeinsame Regeln fest, wie Agenten und Plattformen Daten und Aufträge austauschen, damit nicht jede Plattform für jeden Agenten eine eigene Verbindung braucht. Drei davon prägen den Handel über Agenten (Agentic Commerce), alle unter der freien Lizenz Apache 2.0.

  • Agentic Commerce Protocol (ACP): OpenAI und Stripe haben es am 29. September 2025 veröffentlicht. Es trägt noch den Status Beta, läuft also in Erprobung. Die aktuelle Fassung vom 17. April 2026 umfasst unter anderem Warenkorb, Produktfeed und Bestellungen.
  • Universal Commerce Protocol (UCP): Google hat es am 11. Januar 2026 vorgestellt, entwickelt unter anderem mit Shopify, Etsy, Wayfair, Target und Walmart. Es deckt Katalogsuche, Warenkorb, Kontoverknüpfung, Bezahlvorgang und Bestellverwaltung ab. Die aktuelle Version stammt vom 25. August 2026.
  • Agent Payments Protocol (AP2): Google hat es am 16. September 2025 vorgestellt und dafür mit mehr als 60 Organisationen zusammengearbeitet. AP2 regelt, wie ein Agent nachweist, dass der Mensch einen bestimmten Kauf erlaubt hat. Im April 2026 erschien Version 0.2, zugleich hat Google das Protokoll an die FIDO Alliance übergeben, einen Branchenverband für offene Standards.

Die Protokolle ergänzen sich. UCP bindet AP2 als Erweiterung ein, und Stripe unterstützt ACP und UCP gleichermaßen. Bei ACP und UCP bleibt der Händler der Verkäufer (Merchant of Record) und behält die Beziehung zu seinen Kunden.

Im März 2026 schrieb OpenAI, die erste Version des Direktkaufs in ChatGPT (Instant Checkout) habe nicht die angestrebte Flexibilität geboten: Händler können seitdem ihren eigenen Bezahlvorgang nutzen, OpenAI konzentriert sich auf die Produktsuche und hat ACP dafür erweitert. Für einige berechtigte Produkte und Händler kann ChatGPT laut OpenAI-Hilfe weiterhin eine Option zum Kauf direkt im Chat anzeigen.

Schnittstellen, die ein Agent versteht

Direkt nutzen Agenten eine Plattform über Schnittstellen (APIs): Sie fragen Daten ab und übergeben Aufträge. Was eine Schnittstelle kann, muss deshalb maschinenlesbar beschrieben sein. ACP beschreibt den Bezahlvorgang und die Datenstrukturen zum Beispiel in Standardformaten, die Maschinen direkt lesen (OpenAPI und JSON Schema).

Damit ein Agent weiß, was eine Plattform kann, veröffentlichen Händler bei UCP ein Profil unter /.well-known/ucp, bei ACP heißt das entsprechende Dokument /.well-known/acp.json. Darin stehen die unterstützten Funktionen, Versionen und Übertragungswege. Neben klassischen Web-Schnittstellen (REST) unterstützen beide Protokolle das Model Context Protocol (MCP), das wir im Beitrag MCP für Software-Anbieter erklären.

Für eine neue Plattform heißt das: Legen Sie Produkte, Preise, Bestand und Bestellungen von Anfang an als klares Datenmodell an. Jedes Protokoll wird dann zu einer Übersetzung dieses Modells, und ein weiterer Kanal lässt sich ergänzen, ohne den Kern umzubauen.

Angebotsdaten: vollständig, strukturiert und aktuell

OpenAI beschreibt für ChatGPT einen Produktfeed (Product Feed), also eine regelmäßig aktualisierte Datei oder Schnittstelle mit Kennungen, Beschreibungen, Preisen, Bestand, Bildern und Versandoptionen. Empfohlen wird, den ganzen Katalog einmal täglich zu liefern und Änderungen über den Tag per API nachzureichen. Die Aufnahme läuft derzeit für zugelassene Partner, Händler können sich bei OpenAI bewerben.

Einige Empfehlungen von OpenAI passen zu jeder Plattform:

  • Sachliche Beschreibungen, die das Produkt knapp und verständlich erklären
  • Stabile Kennungen je Variante: eine feste ID für das Produkt und eine eigene für jede kaufbare Variante, mit Preis, Verfügbarkeit, Bild und Link je Variante, wenn sie sich unterscheiden
  • Gültige, dauerhafte Links zu Produktseiten und Händlerangaben

Preis und Verfügbarkeit: eindeutig und frisch

Damit ein Preis, den ein Agent nennt, beim Bezahlen noch stimmt, nennt Stripe für den Verkauf über Agenten einen klaren Takt: Produktdaten einmal am Tag, Bestand und Preise alle 15 Minuten, was in den meisten Fällen genügt. Laut Stripe können Agenten ein Produkt so lange als nicht verfügbar melden, bis ein ausdrückliches Signal kommt, dass es wieder auf Lager ist.

Über den Auftrag selbst entscheidet die Plattform. Bei ACP prüft der Händler jede Bestellung in seinen eigenen Systemen, legt die Versandoptionen fest und nimmt die Bestellung an oder lehnt sie ab. Nutzt eine Plattform UCP mit der Erweiterung AP2, unterschreibt der Händler den Stand des Bezahlvorgangs digital, damit sich Preis und Bedingungen unterwegs nicht ändern. Google beschreibt das Ziel von AP2 so: Was die Kundin sieht, zahlt sie auch.

Vor dem Kauf entscheidet der Mensch

Die Protokolle sind so angelegt, dass der Mensch die Kontrolle behält. Zum Start von Instant Checkout schrieb OpenAI, dass Nutzer jeden Schritt ausdrücklich bestätigen, bevor eine Aktion ausgeführt wird. Die Zahlungsdaten erreichen den Händler als Token, also als Stellvertreter-Kennung. Laut Stripe gilt ein solcher Token nur für einen bestimmten Händler, einen Höchstbetrag und eine begrenzte Zeit.

UCP kennt dafür einen eigenen Zustand im Bezahlvorgang. Braucht der Händler eine Prüfung und Freigabe durch den Käufer, etwa bei einer hohen Bestellsumme oder beim ersten Kauf, gibt der Agent über einen Link an die Seite des Händlers ab. AP2 macht die Zustimmung nachweisbar: Bei einem Kauf in Echtzeit erzeugt die Freigabe des Menschen einen digital signierten Nachweis (Mandate) über Artikel und Preis. Mit Version 0.2 kamen laut Google die Abläufe für Käufe ohne anwesenden Menschen hinzu: Der Agent kauft dann nur nach vorab erteilten Anweisungen mit Grenzen wie Höchstpreis und Zeitpunkt.

Planen Sie den Bestätigungsschritt deshalb fest ein, mit einer klaren Zusammenfassung von Artikel, Preis, Versand und Händler.

Nur echte Angebote: Schutz vor erfundenen Angaben

OpenAI weist in seiner Hilfe darauf hin, dass ChatGPT die Absicht der Nutzer deutet und dabei gelegentlich Fehler machen kann. AP2 nennt als eine seiner Kernfragen, ob die Anfrage eines Agenten wirklich den Willen des Nutzers abbildet, ohne Fehler oder erfundene Angaben der KI (Halluzinationen). Gute Plattformen beantworten diese Frage mit ihrer Architektur.

Bei ihnen stützt sich jede Empfehlung auf einen echten Datensatz mit Kennung, aktuellem Preis und funktionierendem Link. Was sich keinem solchen Datensatz eindeutig zuordnen lässt, gibt die Plattform nicht weiter.

Aus der Praxis

Mit byclaw.io, unserem eigenen Produkt, sind wir einer Frage nachgegangen: Wie sieht ein Shop aus, wenn der Kunde ein KI-Agent ist? Der Anlass: Eine gute Empfehlung braucht aktuelle Preise und echte Kataloge. Unsere Antwort ist ein Agent-first-Shop, ein KI-Shopping-Agent, der per WhatsApp, direkt in Claude und ChatGPT über MCP oder im Web Produkte sucht, vergleicht und empfiehlt.

Dahinter steht ein Katalog aus Affiliate-Feeds, also Produktlisten aus Partnerprogrammen der Händler, ergänzt um eine Websuche als Rückfall. Claude macht aus jeder Anfrage Suchbegriffe, filtert nach Relevanz und wählt den besten Treffer. Jede Empfehlung muss einem echten, verlinkbaren Produkt entsprechen, sonst gibt der Halluzinationsschutz sie nicht weiter.

Fünf Agent-Persönlichkeiten gewichten Preis, Qualität und Geschmack unterschiedlich, doch was der Nutzer will, hat immer Vorrang. Am Ende steht eine Empfehlung mit direktem Link zum Shop. Ob und wo gekauft wird, entscheidet der Mensch.

Häufige Fragen

Reicht mein bestehendes Shopsystem für KI-Agenten?
Bei Shopify gelangen die Produktdaten laut OpenAI über den Shopify Catalog in ChatGPT, ohne zusätzlichen Aufwand für einzelne Händler. Eine eigene Plattform mit eigenen Abläufen, Angeboten oder Partnern bindet Agenten über eine eigene Schnittstelle und eines der offenen Protokolle an.

Welches Protokoll sollte meine Plattform unterstützen?
OpenAI nutzt ACP für ChatGPT, Google nutzt UCP für den Kauf im KI-Modus der Google Suche und in der Gemini-App. Beide Protokolle sind offen und bauen auf denselben Grundbausteinen auf: Produkt, Warenkorb, Bezahlvorgang und Bestellung. Wer diese Bausteine sauber im eigenen Datenmodell abbildet, kann beide bedienen.

Können Händler in Deutschland schon mitmachen?
Den Kauf direkt im Chat hat OpenAI zuerst für Nutzer und Händler in den USA gestartet, seit März 2026 liegt der Schwerpunkt auf der Produktsuche. Google führt den Direktkauf im KI-Modus zuerst mit Händlern in den USA ein, mehr dazu in unserem Beitrag Einkaufen im KI-Modus von Google. Die Bausteine von Stripe für den Verkauf über Agenten stehen laut Stripe bereits Verkäufern in Deutschland und weiteren europäischen Ländern zur Verfügung.

Fazit

KI-Agenten werden zu einer eigenen Kundengruppe: Sie arbeiten mit Daten und legen dem Menschen eine Auswahl vor. Eine Plattform, die sie gut bedient, bietet beschriebene Schnittstellen, vollständige und aktuelle Angebotsdaten, eindeutige Preise und einen klaren Bestätigungsschritt. Mit einem sauberen Datenmodell bindet sie offene Standards wie ACP, UCP und AP2 nach und nach an.

Soll Ihre Plattform für KI-Agenten bereit sein?

Beschreiben Sie Ihr Vorhaben in unserem KI-Projekt-Kalkulator. Sie erhalten eine kostenlose Schätzung per E-Mail, und wir melden uns innerhalb von 24 Stunden.

Mehr zu unseren Leistungen für Plattformen und Marktplätze und SaaS-Produkte. Oder schreiben Sie uns direkt an unsere E-Mail-Adresse.

Quellen

  1. OpenAI: „Optimierte Produktsuche in ChatGPT“, 24.03.2026. https://openai.com/de-DE/index/powering-product-discovery-in-chatgpt/
  2. OpenAI Help Center: „Shopping with ChatGPT Search“. https://help.openai.com/en/articles/11128490-shopping-with-chatgpt-search
  3. OpenAI: „In ChatGPT einkaufen: Instant Checkout und das Agentic Commerce Protocol“, 29.09.2025. https://openai.com/de-DE/index/buy-it-in-chatgpt/
  4. Agentic Commerce Protocol: Website. https://www.agenticcommerce.dev/
  5. Agentic Commerce Protocol: Spezifikation auf GitHub mit README, Maintainer-Liste, Changelog zur Version 2026-04-17 und MCP-Anbindung. https://github.com/agentic-commerce-protocol/agentic-commerce-protocol
  6. OpenAI for Developers: „Key concepts“ (Agentic Commerce). https://developers.openai.com/commerce/guides/key-concepts
  7. OpenAI for Developers: „Get Started“ und „Best practices“ zu Produktfeeds. https://developers.openai.com/commerce/guides/get-started, https://developers.openai.com/commerce/guides/best-practices
  8. Google: „New tech and tools for retailers to succeed in an agentic shopping era“, Google-Blog, 11.01.2026. https://blog.google/products/ads-commerce/agentic-commerce-ai-tools-protocol-retailers-platforms/
  9. Universal Commerce Protocol: Website und „Announcements“. https://ucp.dev/, https://ucp.dev/latest/documentation/announcements/
  10. Universal Commerce Protocol: Release v2026-08-25, 25.08.2026. https://github.com/Universal-Commerce-Protocol/ucp/releases/tag/v2026-08-25
  11. Universal Commerce Protocol: Spezifikation „Overview“ und „Checkout“. https://ucp.dev/specification/overview/, https://ucp.dev/latest/specification/shopping/checkout/
  12. Universal Commerce Protocol: „UCP and AP2“. https://ucp.dev/latest/documentation/ucp-and-ap2/
  13. Google Cloud: „Announcing Agent Payments Protocol (AP2)“, 16.09.2025. https://cloud.google.com/blog/products/ai-machine-learning/announcing-agents-to-payments-ap2-protocol
  14. Google: „Google donates Agent Payments Protocol to FIDO Alliance“, Google-Blog, 28.04.2026. https://blog.google/products-and-platforms/platforms/google-pay/agent-payments-protocol-fido-alliance/
  15. Agent Payments Protocol: Dokumentation und Release v0.2.0 auf GitHub (28.04.2026). https://ap2-protocol.org/, https://github.com/google-agentic-commerce/AP2/releases
  16. Stripe: „Agentic commerce“, Dokumentation. https://docs.stripe.com/agentic-commerce
  17. Stripe: „Sell through agents“, Dokumentation. https://docs.stripe.com/agentic-commerce/sellers/use-cases/retail
  18. Stripe: „Shared payment tokens“, Dokumentation. https://docs.stripe.com/agentic-commerce/concepts/shared-payment-tokens