Ihre Plattform direkt in ChatGPT und Claude: Was MCP für Software-Anbieter bedeutet
Das Wichtigste in Kürze
- Das Model Context Protocol, kurz MCP, ist ein offener Standard, über den KI-Assistenten wie Claude und ChatGPT Daten und Funktionen anderer Systeme nutzen. Anthropic hat ihn im November 2024 vorgestellt, seit Dezember 2025 gehört er zur Agentic AI Foundation unter dem Dach der Linux Foundation.
- Ein MCP-Server beschreibt die Funktionen Ihrer Plattform als Werkzeuge, die ein KI-Modell versteht und selbst aufruft. Ihre Kunden nutzen Ihr Produkt dann direkt in dem Chat, in dem sie ohnehin arbeiten.
- Claude bindet MCP-Server als Connectors ein, ChatGPT als Apps, die inzwischen in Plugins gebündelt sind. Beide Anbieter führen Verzeichnisse, in die Sie Ihren Server einreichen können.
- Ein guter MCP-Server bietet wenige, klar beschriebene Werkzeuge, meldet Nutzer bei Bedarf über OAuth an und liefert verlässliche Daten. Besonders gut funktionieren Werkzeuge, die einen ganzen Ablauf in einem Aufruf erledigen.
Stand: August 2026
Ihre Kundin plant ihre Woche mit Claude oder ChatGPT. Sie möchte wissen, welche Aufträge in Ihrer Software noch offen sind, und gleich den nächsten Termin eintragen. Bisher heißt das: Chat verlassen, Ihre Anwendung öffnen, Daten übertragen. Mit einem MCP-Server erledigt der Assistent das direkt im Gespräch, mit den echten Daten aus Ihrer Plattform.
Was ist das Model Context Protocol?
Das Model Context Protocol (MCP) ist ein offener Standard, der KI-Anwendungen mit externen Systemen verbindet. Anthropic, das Unternehmen hinter Claude, hat ihn am 25. November 2024 veröffentlicht. Die offizielle Dokumentation vergleicht MCP mit einem USB-C-Anschluss: So wie USB-C Geräte einheitlich verbindet, verbindet MCP KI-Anwendungen einheitlich mit Daten, Werkzeugen und Abläufen.
Für Anbieter zählt, dass der Standard keinem einzelnen Unternehmen gehört. Im Dezember 2025 hat Anthropic MCP an die Agentic AI Foundation übergeben, einen Fonds unter dem Dach der Linux Foundation, den Anthropic, Block und OpenAI gemeinsam gegründet haben. Die wichtigsten Programmierbibliotheken (SDKs) für MCP werden laut den Projektverantwortlichen fast eine halbe Milliarde Mal im Monat heruntergeladen.
Wie ein MCP-Server funktioniert
MCP kennt drei Rollen. Der Host ist die KI-Anwendung, etwa Claude oder ChatGPT. Darin steckt ein Client, der die Verbindung hält, und auf der anderen Seite steht der Server, den Sie als Anbieter betreiben. Ihr Server stellt laut Spezifikation drei Arten von Bausteinen bereit:
- Werkzeuge (Tools): Funktionen, die das KI-Modell selbst aufruft, zum Beispiel „Termin anlegen“ oder „Rechnung suchen“.
- Ressourcen (Resources): Daten und Inhalte, die die Anwendung dem Modell als Kontext mitgibt, etwa ein Dokument.
- Vorlagen (Prompts): vorbereitete Anweisungen, die Nutzer gezielt auswählen, zum Beispiel über ein Menü.
Im Alltag stehen die Werkzeuge im Mittelpunkt. Jedes hat einen Namen, eine Beschreibung und ein Schema, also eine formale Liste der erwarteten Eingaben. Der Assistent fragt Ihren Server, welche Werkzeuge es gibt, wählt passend zur Anfrage eines aus, ruft es auf und arbeitet mit dem Ergebnis weiter. Die Spezifikation empfiehlt, dass dabei immer ein Mensch eingreifen kann, etwa indem die Anwendung vor Aktionen um Bestätigung bittet.
Welche KI-Assistenten MCP unterstützen
Claude bindet seit Mai 2025 entfernte, also im Internet laufende MCP-Server ein, die Anthropic heute Connectors nennt. Ein gemeinsames Verzeichnis gilt für claude.ai, die Desktop- und Mobil-Apps, Claude Code und Cowork, und passende Connectors schlägt Claude im Gespräch von sich aus vor.
OpenAI hat am 6. Oktober 2025 Apps in ChatGPT vorgestellt. Das zugehörige Apps SDK baut laut OpenAI auf MCP auf, und Entwickler erreichen damit nach damaligen Angaben über 800 Millionen ChatGPT-Nutzer. Inzwischen bündelt OpenAI Apps und Skills, also wiederverwendbare Anleitungen, in Plugins mit einem gemeinsamen Verzeichnis für ChatGPT und das Entwicklerwerkzeug Codex. Welche App wo bereitsteht, hängt laut OpenAI unter anderem von der App, dem Tarif und der Region ab.
Anthropic nennt außerdem Cursor, Gemini, Microsoft Copilot und Visual Studio Code als Produkte, die den Standard übernommen haben, und zählte im Dezember 2025 mehr als 10.000 aktive öffentliche MCP-Server. Seit Januar 2026 gibt es zudem MCP Apps: Damit zeigt ein Werkzeug eigene Oberflächen wie Formulare oder Diagramme direkt im Chat, unterstützt unter anderem von Claude und ChatGPT.
Was das für SaaS- und Plattform-Anbieter bedeutet
Ihr Produkt wird dort nutzbar, wo Menschen ohnehin mit KI arbeiten. Konten, Rechte und Regeln bleiben dabei in Ihrer Anwendung, der Assistent wird zu einem zusätzlichen Zugang zu Ihren Kunden.
Weil MCP offen ist, erreichen Sie mit einem Server mehrere Assistenten. Die MCP-Dokumentation fasst das als „einmal bauen, überall einbinden“ zusammen.
Gute Werkzeuge folgen den Aufgaben Ihrer Kunden
OpenAI rät Entwicklern, jedes Werkzeug an einem Ziel der Nutzer auszurichten, statt eine interne Schnittstelle einfach nachzubilden. Die Beschreibung erklärt, was das Werkzeug tut und wann es passt, denn danach wählt das Modell aus. Lesende und verändernde Funktionen gehören in getrennte Werkzeuge.
Für das Verzeichnis von Claude braucht jedes Werkzeug einen Titel und eine Kennzeichnung, ob es nur liest oder Daten verändert. Diese Angaben steuern die Rückfragen: Lesende Werkzeuge können ohne Bestätigung laufen, verändernde fragen immer nach.
Ganze Abläufe statt vieler Einzelschritte
Mehr Werkzeuge führen nicht automatisch zu besseren Ergebnissen, schreibt Anthropic in seinem Leitfaden für Werkzeuge. KI-Modelle können nur eine begrenzte Menge an Informationen auf einmal verarbeiten. Anthropic empfiehlt deshalb, häufig verkettete Schritte in einem einzigen Werkzeug zusammenzufassen. Sein Beispiel: Statt drei Werkzeugen zum Auflisten von Personen, Auflisten von Terminen und Anlegen eines Termins lieber eines, das einen freien Zeitpunkt findet und den Termin gleich bucht.
OpenAI empfiehlt Ähnliches: Operationen, die zusammen eine Handlung ergeben, gehören in ein Werkzeug. Getrennt wird dort, wo sich Berechtigungen, Risiken oder die nötige Bestätigung unterscheiden. So laufen Ihre Geschäftsregeln auf Ihrem Server, statt dass das Modell sie aus Einzelschritten zusammensetzt.
Anmeldung über OAuth: Kunden nutzen ihr bestehendes Konto
Greift ein Werkzeug auf nicht öffentliche Daten zu oder handelt es im Namen eines Nutzers, gehört eine Anmeldung davor. Die MCP-Spezifikation stützt sich dafür bei Servern im Internet auf OAuth 2.1, die Weiterentwicklung des verbreiteten Freigabestandards OAuth 2.0. Ihre Kundin meldet sich mit ihrem bestehenden Konto bei Ihnen an, und der Assistent erhält einen Zugriffsschlüssel, der nur für Ihren Server und nur für die freigegebenen Rechte gilt.
Anthropic verlangt für Connectors im Verzeichnis OAuth, sobald ein Dienst eine Anmeldung braucht. OpenAI verweist für Plugins auf denselben Ablauf aus der MCP-Spezifikation. Für öffentliche Daten, etwa einen Produktkatalog, kann ein Server auch ohne Anmeldung arbeiten.
Verlässliche Daten und verständliche Fehlermeldungen
Ein Assistent ist nur so gut wie die Antworten, die er von Ihrem Server bekommt. Anthropic empfiehlt, nur aussagekräftige Informationen zurückzugeben, und für das Claude-Verzeichnis sollen Antworten eine dem Zweck angemessene Größe haben. Fehlermeldungen beschreiben, was zu tun ist, statt nur „Serverfehler“ zu melden. Die Spezifikation sieht dafür eigene Fehlerergebnisse vor, mit denen das Modell seine Eingaben korrigieren und es erneut versuchen kann, zum Beispiel wenn ein Datum in der Zukunft liegen muss.
Der Weg zum eigenen MCP-Server
Beginnen Sie mit zwei oder drei Aufgaben, die Ihre Kunden am liebsten an einen Assistenten abgeben würden. Gibt es bereits eine Schnittstelle (API), baut der MCP-Server darauf auf. Für die Verzeichnisse läuft er unter einer festen, verschlüsselt erreichbaren Internetadresse (HTTPS). Testen können Sie ihn vorab in Claude als eigenen Connector und in ChatGPT als eigenen MCP-Server.
Eingereicht wird bei Anthropic über ein Entwicklerportal, das jeder bezahlte Claude-Tarif nutzen kann, bei OpenAI als Plugin über die OpenAI-Plattform. Anthropic listet Einreichungen nach einer automatischen Prüfung zunächst als Community-Connector, bei OpenAI entscheiden Sie nach der Freigabe selbst, wann Ihr Plugin erscheint.
Aus der Praxis
byclaw.io ist unser eigenes Produkt, ein KI-Shopping-Agent, den Menschen per WhatsApp, im Web oder direkt in Claude und ChatGPT nutzen. Für die beiden Assistenten haben wir einen MCP-Server gebaut, der Suche, Vergleich und Empfehlung in einem einzigen Werkzeugaufruf erledigt. So erhält der Assistent mit einem einzigen Aufruf ein fertiges Ergebnis, das er direkt an den Nutzer weitergeben kann. Das ist genau der Zuschnitt, den auch Anthropic und OpenAI empfehlen: ein Werkzeug für ein ganzes Ziel statt vieler Einzelschritte.
Dazu kommen verlässliche Daten. Der Katalog aktualisiert sich täglich aus Affiliate-Feeds, also Produktlisten aus Partnerprogrammen der Händler, und ein Halluzinationsschutz lässt nur echte, verlinkbare Produkte durch.
Häufige Fragen
Ist ein MCP-Server dasselbe wie eine API?
Nicht ganz. Eine API richtet sich an Programmierer, die genau wissen, welche Funktion sie aufrufen. Ein MCP-Server beschreibt seine Werkzeuge so, dass ein KI-Modell selbst erkennt, wann es welches braucht. Dahinter nutzt er meist Ihre bestehende API.
Brauche ich für Claude und ChatGPT zwei verschiedene Server?
Nein. Beide Assistenten binden MCP-Server ein, die über HTTPS erreichbar sind, und folgen demselben offenen Standard. Unterschiede gibt es bei Verpackung und Prüfung: Anthropic listet Server als Connectors, OpenAI als Teil eines Plugins. Getestet und eingereicht wird deshalb bei beiden.
Wie finden Nutzer meine Plattform im Assistenten?
Bestehende Kunden fügen Ihren Server über seine Adresse hinzu oder installieren ihn aus dem Verzeichnis. Claude schlägt Connectors aus dem Verzeichnis im Gespräch vor, wenn sie zur Aufgabe passen, und auch ChatGPT kann passende Apps vorschlagen. So wird Ihr Angebot auch für Menschen sichtbar, die Ihre Plattform noch nicht kennen.
Können KI-Agenten über MCP auch bei mir einkaufen?
Kaufen und Bezahlen durch KI-Agenten ist ein eigenes Thema mit eigenen offenen Standards, etwa dem Agentic Commerce Protocol, das OpenAI und Stripe entwickelt haben, zunächst für den Kauf direkt in ChatGPT. Diese Standards regeln unter anderem Warenkorb, Bezahlvorgang und Bestellungen.
Fazit
MCP macht Ihre Plattform mit einem offenen Standard dort nutzbar, wo Ihre Kunden ohnehin mit KI arbeiten, in Claude, ChatGPT und weiteren Anwendungen. Dafür braucht es wenige, klar beschriebene Werkzeuge, eine Anmeldung über OAuth und verlässliche Daten. Besonders gut funktionieren Werkzeuge, die einen ganzen Ablauf auf Ihrem Server erledigen. Eine bestehende Schnittstelle ist ein guter Ausgangspunkt, und Ihre Plattform gewinnt einen neuen Zugang zu Kunden.
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Quellen
- Anthropic: „Introducing the Model Context Protocol“, 25.11.2024. https://www.anthropic.com/news/model-context-protocol
- Anthropic: „Donating the Model Context Protocol and establishing the Agentic AI Foundation“, 09.12.2025. https://www.anthropic.com/news/donating-the-model-context-protocol-and-establishing-of-the-agentic-ai-foundation
- Model Context Protocol: „What is the Model Context Protocol (MCP)?“. https://modelcontextprotocol.io/docs/getting-started/intro
- Model Context Protocol: Spezifikation, Version 2026-07-28, Abschnitte Überblick, Server Features und Tools. https://modelcontextprotocol.io/specification/2026-07-28, https://modelcontextprotocol.io/specification/2026-07-28/server, https://modelcontextprotocol.io/specification/2026-07-28/server/tools
- Model Context Protocol: Spezifikation, Version 2026-07-28, Abschnitt „Authorization“. https://modelcontextprotocol.io/specification/2026-07-28/basic/authorization
- Model Context Protocol Blog: „The 2026-07-28 Specification“, 28.07.2026. https://blog.modelcontextprotocol.io/posts/2026-07-28/
- Model Context Protocol Blog: „MCP Apps - Bringing UI Capabilities To MCP Clients“, 26.01.2026. https://blog.modelcontextprotocol.io/posts/2026-01-26-mcp-apps/
- Anthropic: „Claude can now connect to your world“, 01.05.2025, aktualisiert am 03.06.2025. https://claude.com/blog/integrations
- Claude Help Center: „Get started with custom connectors using remote MCP“. https://support.claude.com/en/articles/11175166-get-started-with-custom-connectors-using-remote-mcp
- Claude Docs: „Connectors directory“, „Submit a connector to the directory“ und „Connector pre-submission checklist“. https://claude.com/docs/connectors/directory, https://claude.com/docs/connectors/building/submission, https://claude.com/docs/connectors/building/review-criteria
- Anthropic Engineering: „Writing effective tools for agents — with agents“, 11.09.2025. https://www.anthropic.com/engineering/writing-tools-for-agents
- OpenAI: „Introducing apps in ChatGPT and the new Apps SDK“, 06.10.2025, aktualisiert am 13.11.2025. https://openai.com/index/introducing-apps-in-chatgpt/
- OpenAI: „Buy it in ChatGPT: Instant Checkout and the Agentic Commerce Protocol“, 29.09.2025. https://openai.com/index/buy-it-in-chatgpt/
- OpenAI Help Center: „Connected apps in ChatGPT“. https://help.openai.com/en/articles/11487775-apps-in-chatgpt
- OpenAI Help Center: „Plugins in ChatGPT“. https://help.openai.com/en/articles/20001256-plugins-in-chatgpt-and-codex
- OpenAI Developers: Plugins-Dokumentation, Seiten „Plugin architecture“, „MCP server“, „Define tools“, „Connect and test your plugin“ und „Upload and submit your plugin“. https://developers.openai.com/plugins