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Geld automatisch an Partner verteilen: So rechnen Plattformen mit Studios, Händlern und Creatorn ab

Das Wichtigste in Kürze

  • Mit Stripe Connect erhält jeder Partner Ihrer Plattform ein eigenes verbundenes Konto mit eigenem Guthaben. Onboarding und Identitätsprüfung übernimmt in den meisten Konfigurationen Stripe.
  • Stripe kennt drei Abrechnungsarten: Die Zahlung landet direkt beim Partner, sie wird über die Plattform sofort weitergeleitet, oder die Plattform verteilt sie später, auch auf mehrere Partner.
  • Ausgezahlt wird täglich, wöchentlich, monatlich oder von Hand. In Deutschland ist eine Zahlung laut Stripe standardmäßig nach drei Werktagen auszahlbar, bei der ersten Auszahlung nach sieben Kalendertagen.
  • Bei Erstattungen nach einer Auszahlung belastet Stripe je nach Abrechnungsart den Partner oder die Plattform, die sich den Anteil des Partners zurückholt oder mit der nächsten Überweisung verrechnet.

Stand: August 2026

Ein Fan kauft auf Ihrer Plattform das Video einer Creatorin, ein Gast bucht eine Behandlung in einem Partnerstudio, eine Kundin bestellt bei einem Händler auf Ihrem Marktplatz. Bezahlt wird einmal, verdient haben zwei: der Partner und Ihre Plattform. Dieser Ratgeber erklärt anhand der Dokumentation von Stripe Connect, wie Plattformen Zahlungen annehmen, aufteilen, auszahlen und erstatten.

Wie eine Plattform Geld für ihre Partner annimmt

Stripe Connect ist die Lösung von Stripe für Plattformen und Marktplätze, die Geld zwischen mehreren Parteien bewegen. Ihre Plattform hat ein eigenes Stripe-Konto, jeder Partner bekommt ein verbundenes Konto (Connected Account). Laut Stripe sind beide normale Stripe-Konten mit jeweils eigenem Guthaben.

Jedes Guthaben ist entweder ausstehend, also noch nicht auszahlbar, oder verfügbar. Zwischen den Guthaben bewegt die Plattform Geld per Überweisung (Transfer), auf das Bankkonto des Partners geht es per Auszahlung (Payout). Aufteilen und Auszahlen sind also zwei getrennte Schritte.

So ist ein Partner bei Stripe angelegt

Wer sich schon einmal informiert hat, kennt vielleicht die Kontotypen Standard, Express und Custom. Stripe führt sie heute als Altmodell für bestehende Plattformen. Neuen Plattformen empfiehlt Stripe ein Modell, bei dem Sie je Partnerkonto festlegen, was es darf: Zahlungen annehmen, Überweisungen Ihrer Plattform empfangen oder beides.

Beim Anlegen eines Partnerkontos treffen Sie drei Entscheidungen, die sich laut Stripe für dieses Konto später nicht mehr ändern lassen. Wer etwa ein anderes Dashboard will, legt ein neues Konto an:

  • Dashboard: Der Partner nutzt das volle Stripe-Dashboard, das schlankere Express-Dashboard im Erscheinungsbild Ihrer Plattform oder keines. Ohne Dashboard zeigt Ihre eigene Oberfläche Guthaben und Auszahlungen.
  • Gebühren: Bei Zahlungen direkt auf dem Partnerkonto zieht Stripe die Gebühren beim Partner oder bei Ihrer Plattform ab. Läuft die Zahlung über die Plattform, trägt immer die Plattform die Stripe-Gebühren.
  • Negative Guthaben: Sie legen fest, ob Stripe oder Ihre Plattform einspringt, wenn das Guthaben eines Partners ins Minus rutscht. Trägt Ihre Plattform das Risiko, trägt sie laut Stripe auch die Gebühren.

Onboarding und Identitätsprüfung übernimmt Stripe

Bevor ein Partner Geld erhält, prüft Stripe, wer hinter dem Konto steht. Welche Angaben nötig sind, hängt laut Stripe unter anderem von Land und Geschäftsform ab. In den meisten Konfigurationen sammelt Stripe diese Angaben selbst ein. Bei Ihrer Plattform liegt das nur, wenn sie für negative Guthaben einsteht und die Partner kein Stripe-Dashboard nutzen.

Für die Erfassung gibt es drei Wege: ein von Stripe gehostetes Formular mit Name, Farbe und Symbol Ihrer Marke, einen eingebetteten Baustein in Ihrer Anwendung oder ein komplett eigenes Formular über die Schnittstelle. Stripe empfiehlt die ersten beiden, weil sie sich automatisch anpassen, wenn sich die Anforderungen ändern. Fehlen ab einer bestimmten Schwelle Angaben, pausiert Stripe Zahlungen oder Auszahlungen für dieses Konto, bis sie vorliegen.

Drei Abrechnungsarten: Wer kassiert, wer verteilt?

Die Abrechnungsart bestimmt, wo eine Zahlung zuerst landet, wessen Name auf dem Kontoauszug der Kundschaft steht und welches Konto Stripe bei Erstattungen belastet. Stripe unterscheidet drei Arten, die sich auf einer Plattform auch kombinieren lassen.

Zahlung direkt beim Partner (Direct Charge). Das Geld geht auf das Konto des Partners, die Kundschaft kauft bei ihm und bemerkt Ihre Plattform oft gar nicht. Ihre Plattform kann pro Zahlung eine Gebühr einbehalten (Application Fee). Laut Stripe passt das am besten zu Software-Plattformen, etwa Shop-Baukästen.

Zahlung mit Weiterleitung (Destination Charge). Die Kundschaft zahlt an Ihre Plattform, ein Teil des Betrags wandert sofort in das Guthaben genau eines Partners. Was bleibt, ist Ihre Provision.

Getrennte Zahlung und Überweisung (Separate Charges and Transfers). Ihre Plattform nimmt die Zahlung an und überweist unabhängig davon, an einen oder mehrere Partner und in Beträgen, die Sie festlegen. Das passt, wenn eine Bestellung mehrere Partner betrifft, wie Restaurant und Fahrer bei einem Lieferdienst, oder wenn der Partner beim Bezahlen noch nicht feststeht. Laut Stripe ist diese Variante in der Umsetzung aufwendiger, und die Plattform muss ihr eigenes Guthaben genau im Blick behalten.

Stripe rechnet die Aufteilung an einem Marktplatz vor: Von einer Zahlung über 100 (Stripe nennt keine Währung) gehen 1,50 als Gebühr an Stripe, 1,00 behält die Plattform, 97,50 erhält der Anbieter. Wie Sie Ihren eigenen Anteil gestalten, beschreibt unser Artikel zu Erlösmodellen für Plattformen. Was Connect selbst kostet, steht in unserem Beitrag Was kostet eine eigene Plattform?

Sofort aufteilen oder gesammelt abrechnen

Bei der Aufteilung pro Zahlung steht der Anteil des Partners fest, sobald die Kundschaft bezahlt. Das passt zu klaren Fällen mit festem Anteil. Haben Partner eigene Konditionen oder fallen im Lauf des Monats Korrekturen an, ist eine Sammelabrechnung übersichtlicher.

Dafür gibt es zwei Wege. Entweder bündelt Ihre Plattform mehrere Zahlungen zu einer Überweisung, etwa einmal im Monat je Partner, denn laut Stripe müssen Zahlungs- und Überweisungsbeträge nicht übereinstimmen. Oder der Anteil landet pro Zahlung beim Partner, wird aber erst nach Monatsplan oder auf Ihre Anweisung ausgezahlt.

Sammelt die Plattform, empfiehlt Stripe bei Zahlarten wie der SEPA-Lastschrift, deren Erfolg erst nach einigen Tagen feststeht, erst nach der Bestätigung zu überweisen. Bei manuellen Auszahlungen bleibt Guthaben in Deutschland laut Stripe höchstens 90 Tage auf dem Partnerkonto.

Wann das Geld beim Partner ankommt

Zwei Zeiten bestimmen den Auszahlungstermin. Die erste ist die Wartezeit, bis eine Zahlung verfügbar ist: Für Konten in Deutschland sind das laut Stripe standardmäßig drei Werktage, bei der ersten Auszahlung sieben Kalendertage. Die zweite ist der Auszahlungsplan, der nur festlegt, wann verfügbares Geld überwiesen wird.

Ohne weitere Einstellung zahlt Stripe täglich aus. Ihre Plattform kann den Plan pro Partner auf feste Wochentage, feste Monatstage oder manuelle Auszahlung umstellen, bei Partnern mit vollem Stripe-Dashboard über Plattformkontrollen, also Einstellungen, die Stripe der Plattform für solche Konten freigibt. Trägt Ihre Plattform das Risiko für Betrug und Zahlungsanfechtungen, kann sie die Wartezeit einzelner Partner auf bis zu 31 Tage verlängern.

Eine Standardauszahlung kommt laut Stripe meist ein bis zwei Werktage nach der Übergabe an die Bank auf dem Konto an, eine Sofortauszahlung (Instant Payout) in der Regel innerhalb von 30 Minuten.

Erstattung nach der Auszahlung: So läuft der Ausgleich

Ist der Anteil des Partners schon ausgezahlt, regelt Stripe eine Erstattung je nach Abrechnungsart unterschiedlich:

  • Zahlung direkt beim Partner: Stripe zieht die Erstattung vom Guthaben des Partners ab. Reicht es nicht, bleibt sie ausstehend und läuft automatisch, sobald genug Guthaben da ist.
  • Zahlung mit Weiterleitung: Stripe belastet zuerst Ihre Plattform, kann den Anteil des Partners aber gleich mit zurückholen, bei Teilerstattungen im selben Verhältnis. Eine Plattformgebühr gibt Stripe dabei standardmäßig nicht an den Partner zurück, auf Wunsch anteilig.
  • Getrennte Zahlung und Überweisung: Die Erstattung berührt die Überweisungen nicht. Ihre Plattform holt die Überweisung ganz oder teilweise zurück (Transfer Reversal) oder kürzt die nächste.

Zurückholen lässt sich ein Anteil in der Grundeinstellung nur, wenn das verfügbare Guthaben des Partners ihn deckt. Stripe empfiehlt deshalb, das Guthaben vor einer Erstattung zu prüfen. Bei Zahlungsanfechtungen (Disputes) gilt für Zahlungen über die Plattform derselbe Weg.

Rutscht das Guthaben eines Partners ins Minus, verrechnet Stripe den Fehlbetrag nach Möglichkeit mit künftigen Zahlungen, und solange es negativ ist, gehen keine Auszahlungen an ihn. Ist die passende Einstellung aktiv, versucht Stripe zudem, den Betrag vom Bankkonto des Partners einzuziehen. Für den SEPA-Raum nennt Stripe das für Euro-Konten als unterstützt, bei Partnern ohne Stripe-Dashboard noch als Vorschau. Wer am Ende einspringt, haben Sie beim Anlegen des Kontos festgelegt.

Aus der Praxis

Für Wasserplasma Experience haben wir eine Buchungs- und Abrechnungsplattform entwickelt. Die Partnerstudios sind Spas und Hotels mit jeweils eigenen Preisen und Konditionen. Gäste bezahlen über Stripe Checkout, die Rechnung kommt im Namen des Studios. Ein Monatsabschluss rechnet den Anteil jedes Partners aus, zahlt über Stripe Connect aus oder stellt per SEPA in Rechnung.

Die Plattform ist so gebaut, dass jedes Studio eine Abrechnung erhält, die es auf den Cent nachvollziehen kann, ganz ohne Excel.

Einen anderen Schwerpunkt hatte ASMRStars, eine Creator-Plattform, die wir ebenfalls mit Stripe Connect gebaut haben: Creator aus vielen Ländern erhielten ihre Einnahmen in mehreren Währungen, und jede Zahlung eines Fans wurde dem richtigen Creator zugeordnet. Welche Erlösmodelle dort zusammenkamen, zeigt unser Artikel zu Erlösmodellen für Plattformen.

Häufige Fragen

Brauchen meine Partner ein eigenes Stripe-Konto?
Ihre Plattform legt für jeden Partner ein verbundenes Konto an, der Partner ergänzt seine Angaben im Onboarding. Wer bereits ein Stripe-Konto hat, kann laut Stripe bestimmte Unternehmensangaben wiederverwenden.

Welche Abrechnungsart passt zu meiner Plattform?
Kauft die Kundschaft beim Partner, passt die Zahlung direkt beim Partner. Kauft sie bei Ihrer Plattform und gehört jede Zahlung zu genau einem Partner, passt die Zahlung mit Weiterleitung. Sind mehrere Partner beteiligt oder steht der Partner noch nicht fest, passen getrennte Zahlungen und Überweisungen.

Was passiert, wenn der Partner schon ausgezahlt ist und die Kundschaft ihr Geld zurückbekommt?
Bei Zahlungen über die Plattform belastet Stripe zuerst Ihre Plattform. Den Anteil des Partners holt sie über eine Rückbuchung der Überweisung zurück, sofern sein verfügbares Guthaben reicht, oder verrechnet ihn mit der nächsten Überweisung.

Fazit

Stripe Connect gibt jedem Partner ein eigenes Konto und trennt das Aufteilen vom Auszahlen. Welche Abrechnungsart passt, ergibt sich aus Ihrem Geschäftsmodell: wer verkauft, wie viele Partner an einer Zahlung beteiligt sind und wie oft abgerechnet wird. Wer das vor dem Start klärt, legt die Partnerkonten gleich passend an und gibt jedem Partner eine Abrechnung, die er nachvollziehen kann.

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Quellen

  1. Stripe Docs: „Connect und die Accounts v2 API“. https://docs.stripe.com/connect/accounts-v2
  2. Stripe Docs: „Konfigurieren Sie das Verhalten von verbundenen Konten“. https://docs.stripe.com/connect/accounts-v2/connected-account-configuration
  3. Stripe Docs: „Arten verbundener Konten“. https://docs.stripe.com/connect/accounts
  4. Stripe Docs: „Informationen zu Connect-Kontoguthaben“. https://docs.stripe.com/connect/account-balances
  5. Stripe Docs: „Identitätsprüfung für verbundene Konten“. https://docs.stripe.com/connect/identity-verification
  6. Stripe Docs: „Ihre Onboarding-Konfiguration auswählen“. https://docs.stripe.com/connect/onboarding
  7. Stripe Docs: „Von Stripe gehostetes Onboarding“. https://docs.stripe.com/connect/hosted-onboarding
  8. Stripe Docs: „Funktionsweise von Abbuchungen in einer Connect-Integration“. https://docs.stripe.com/connect/charges
  9. Stripe Docs: „Marktplatz erstellen“. https://docs.stripe.com/connect/marketplace
  10. Stripe Docs: „Separate Zahlungen und Überweisungen erstellen“. https://docs.stripe.com/connect/separate-charges-and-transfers
  11. Stripe Docs: „Verwenden manueller Auszahlungen“. https://docs.stripe.com/connect/manual-payouts
  12. Stripe Docs: „Auszahlungen empfangen“, Abschnitte Auszahlungsplan und Abwicklungszeiten nach Land. https://docs.stripe.com/payouts
  13. Stripe Docs: „Auszahlungen an verbundene Konten“. https://docs.stripe.com/connect/payouts-connected-accounts
  14. Stripe Docs: „Auszahlungsplan verwalten“. https://docs.stripe.com/connect/manage-payout-schedule
  15. Stripe Docs: „Rückerstattungen und Zahlungsanfechtungen“ (Marktplatz). https://docs.stripe.com/connect/marketplace/tasks/refunds-disputes
  16. Stripe Support: „Auto debit FAQ“. https://support.stripe.com/questions/auto-debit-faq